Die Welt des Gamings ist vielschichtig – sie umfasst eine diverse Zielgruppe, die weit über stereotype Vorstellungen hinausgeht. Und so viel vorweg: es ist längst im Mainstream angekommen. In diesem Kapitel beleuchten wir, wie sich die Demographie und Psychographie der Gamer*innen zusammensetzt, welche Dynamiken in Gaming Communities herrschen, wie das Konsumverhalten aussieht und welche Rolle Social Media spielt. Nur wenn man die Zielgruppe genau versteht, ist es möglich, eine passgenaue Marketingstrategie zu entwickeln.
Demographie und Psychographie
In der Schweiz spielen mehr als die Hälfte der Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren Videospiele – das sind rund 3.4 Mio. Personen, davon etwa 1.3 Mio. täglich. In Deutschland sind es sogar 37.5 Mio. Gamer*innen bzw. 59 % der 6- bis 69-Jährigen, die regelmässig spielen. Die Alters- und Nutzungsprofile ähneln jenen der Schweiz – mit starkem Zuwachs bei Millennials, Gen Z und den „Silver Gamers“ (über 60 Jahre). Um Gamer*innen erfolgreich anzusprechen, ist es wichtig, sowohl demografische als auch psychografische Merkmale zu verstehen:
- Wirtschaftliche Verhältnisse & Konsumverhalten: Gaming kennt keine Klassengrenzen. Gedaddelt wird auf jedem Einkommensniveau. Und das praktisch gleichmässig verteilt – egal, welche Einkommensstufe betrachtet wird. In der Schweiz geben 4 Millionen Gamer*innen im Durchschnitt CHF 162.90 pro Jahr aus. In Deutschland waren es 2023 208 USD.
- Altersgruppen: Heutzutage gamen wirklich alle Altersgruppen. Momentan sind die stärksten Generationen noch die Millennials, gefolgt von der Gen Z. Berühmt berüchtigt ist auch die wachsende Gruppe der «SilverGamer»: Sie haben die Rente erreicht und endlich Zeit, um richtig zu spielen.
- Geschlechtsspezifika: Auch wenn das Bild des typischen Gamenden lange männlich geprägt war, zeigt die Realität ein deutlich diverseres Bild. Tatsächlich sind rund die Hälfte 48% fast die Hälfte weiblich. Bei einem jüngeren Publikum zwischen 12-19 Jahren ist das Bild traditioneller: Dort gamen 96% der männlichen Jugendlichen und 65% der weiblichen regelmässig. Mit zunehmendem Alter überholt die weibliche Gamerschaft aber sogar die männliche.
- Interessen & Motivation:
Die Motive, die hinter dem Gaming stehen, sind ebenso vielfältig wie die Spiele selbst. Viele Gamer*innen schätzen den Wettbewerb, während andere den sozialen Austausch und die Möglichkeit, in virtuelle Welten einzutauchen, bevorzugen. Hobbys, Lifestyle-Präferenzen und technologische Affinitäten prägen die Persönlichkeit und die Kaufentscheidungen. Im Wesentlichen können sechs Gaming-Typen unterschieden werden: Der kompetitive, der soziale, der entdeckende, der entspannte, der getriebene und der zeitvertreibende Typ.

Gaming Communities verstehen
Gaming Communities sind das Herzstück der Branche und bieten zahlreiche Ansatzpunkte für zielgerichtetes Marketing:
- Community Dynamiken:
Innerhalb von Gaming-Communities entwickeln sich eigene Strukturen und Hierarchien. Langjährige Mitglieder*innen, Moderatoren*innen und Influencer*innen prägen das Miteinander und beeinflussen, wie Inhalte wahrgenommen werden. Das Verständnis dieser Dynamiken ermöglicht es Marken, authentisch in die Community einzutauchen. - Foren & Plattformen:
Gamer*innen treffen sich nicht nur in den Spielen selbst, sondern auch auf spezialisierten Foren, Social Media Gruppen und Plattformen wie Discord, Reddit oder Twitch. Diese Orte sind ideal, um die Zielgruppe und ihre Sprache und Kultur kennenzulernen und mit ihr in Dialog zu treten. - Engagement Strategien:
Erfolgreiche Marken wissen, dass es nicht ausreicht, nur präsent zu sein. Interaktive Aktionen, exklusive Inhalte und regelmässiger Austausch fördern die Bindung und steigern das Engagement. Events, Challenges und gemeinsame Projekte können hier wertvolle Bausteine sein. - Social Influence:
Innerhalb der Communities spielen Meinungsführer eine zentrale Rolle. Diese Influencer, ob in Form von Streamer*innen, Content Creators oder Esportler*innen, besitzen das Vertrauen ihrer Followerschaft und können als authentische Multiplikatoren agieren. Eine Zusammenarbeit mit ihnen lohnt sich besonders, da sie gegenüber anderen Influencer*innen eine im Durchschnitt 7% höhere Glaubwürdigkeit besitzen.

Die verschiedenen Gamer*innen Segmente aufgeteilt nach Motivation. Quelle:Gaming Studie in Deutschland (n=1.063) und in der Schweiz (n=1.025), 15-79yo, LINK (a YouGov company) & MYI, Oktober 2022
Kaufkraft und Konsumverhalten der Gaming-Zielgruppe
Die wirtschaftlichen Potenziale im Gaming-Bereich sind enorm – ein Aspekt, der für Marketingstrategien von zentraler Bedeutung ist:
- Ausgabeverhalten:
Gamer*innen investieren signifikante Summen in ihr Hobby. In der Schweiz geben 4 Millionen Gamer*innen im Durchschnitt CHF 162.90 pro Jahr aus. In Deutschland sind es ca. 208 USD. Dabei reichen die Ausgaben von klassischen Spielekäufen bis hin zu regelmässigem Investment in zusätzliche Inhalte, Zubehör und exklusive Angebote.
Und dazu gibt es viele Möglichkeiten:
- Games: Die Monetarisierung von Games geht längst über den Kauf eines Spieles hinaus. Von Mikrotransaktionen und In‑Game‑Käufen (Skins, Loot‑Boxen, Booster) über Premium‑Käufe („Paid Games“) bei Blockbustern bis hin zu Abo‑Modellen wie Xbox Game Pass oder EA Play findet man inzwischen alles. Währenddessen sorgt saisonaler Zusatz-Content wie Battle‑ bzw. Season‑Pässe regelmässig für neue Challenges und Rewards. Downloadable Content (DLC) hingegen sind käufliche Erweiterungen zu bestehenden Spielen, die den Spieler*innen langfristig erhalten bleiben.
- Gaming Hardware: Gamer*innen investieren in High‑End‑Setups – Konsolen wie PlayStation oder Xbox, leistungsstarke Gaming‑PCs und Laptops bilden die Basis. Hinzu kommen Peripheriegeräte wie ultra präzise Mäuse, mechanische Tastaturen, Controller mit Programmierfunktionen und hochwertige Headsets. Und nicht zuletzt auch in ergonomische Gaming‑Stühle und optimierte Schreibtische, die das perfekte Gaming-Erlebnis ermöglichen.
- Weiteres: Natürlich investieren Gamer*innen ihr Geld auch an anderen Orten rund um ihr persönliches Gaming-Erlebnis. Angefangen bei Highspeed-Internet bis zu bezahlten Premiumangeboten von Discord, Twitch, Youtube und Co, um einerseits Inhalte freizuschalten, aber auch, um ihre Community oder Streamer*innen zu unterstützen.
Das Social Media Verhalten der Gaming-Zielgruppe
Social Media ist ein zentrales Instrument, um mit der Gaming-Zielgruppe in Kontakt zu treten und sie kontinuierlich zu binden. Dabei gibt es Channels, die Gaming-nahe sind und andere, allgemeinere soziale Medien, die für Gamer*innen relevant sind.

- Discord
Discord ist oftmals das Herzstück einer jeder Gaming-Community. Es vereint Voice-Chat, Messenger, Streaming und viele weitere Funktionen unter einem Dach und kann gratis verwendet werden. Trotzdem ist der Zugang dazu scheinbar exklusive, weil das Tool und die entsprechenden Communities ausserhalb der Szene wenig bekannt sind. Und das obwohl die Plattform über eine halbe Millliarde registrierte User*innen hat. Mehr zu Discord und warum Discord so erfolgreich ist findest du in unserem Blog Artikel. - Twitch
Twitch ist die Live‑Streaming‑Plattform Nummer 1 im Gaming. Streamer*innen bauen enge Verbindungen zu den Zuschauenden auf, indem sie in Echtzeit spielen, chatten und auf Fragen eingehen. Für Marken sind gesponserte Streams, gebrandete Interstitials und Community‑Challenges lohnende Formate, um die Zielgruppe zu erreichen. Mehr zu Twitch und den Freatures, die Twitch so einzigartig machen. Und hier erfährt man, wie man auf Twitch erfolgreich Werbung und Marketing machen kann. - Reddit
Reddit bietet für jedes nur erdenkliche Thema eigene «Subreddits», in denen sich User*innen zu ihren Herzensthemen austauschen: In Diskussionen, Memes, Videos, Strategie-Tipps oder Selbsthilfen. Die Anonymität fördert offene, ehrliche Gespräche. Wer Reddit erfolgreich nutzen will, liefert wertvollen Content statt plakativer Werbung und kann so die Community langfristig binden. - Youtube
Youtube ist zwar ein absoluter Generalist unter den Plattformen, aber als solcher halt auch genauso relevant für die Gaming-Community. Es ist ein Sammelbecken für sämtlichen Content, insbesondere für Gaming-Content anderer Plattformen, der für Youtube nochmals aufbereitet wird und bietet selbst auch eine viel genutzte Streaming-Funktion. Gerade für Tutorials, Reviews, Let’s-Plays und Ähnliches ist Youtube nicht wegzudenken. Mehr dazu, wie man YouTube im Gaming-Marketing einsetzen kann. - Weitere Social Media:
Diese Plattformen spielen zwar keine direkte Hauptrolle im Gaming‑Marketing, bieten aber wichtige Ergänzungen vor allem in Sachen Community-Bindung: X für schnelle News über relevante Themen und direkten Austausch mit Entwicklern, Facebook, TikTok und Instagram für Background Storys sowie Einblicke in den Alltag von Gaming-Exponenten.
Bonus:
- Influencer Impact: Influencer haben sich im Gaming zu den ultimativen Markenbotschaftern entwickelt: Sie kombinieren Authentizität, Reichweite und tiefe Community-Bindung zu einem unschlagbaren Marketinginstrument. Im 4. Kapitel zeigen wir dir im Detail, welche Influencer‑Typen (von Micro- bis Macro‑Creator, Streamer und Trendsetter) sich für welche Kampagnenziele eignen, wie du plattformspezifische Strategien für YouTube, Twitch & Co. optimal aufsetzt und welche Engagement‑Formate deine Botschaften optimal transportieren. Ausserdem zeigen wir dir, wie du den Erfolg deiner Influencer‑Massnahmen mit klaren KPIs, Reichweiten‑ und Conversion‑Metriken sowie modernen Analysetools zuverlässig misst und so deinen ROI langfristig maximierst.
Egal auf welchem Kanal mit der Zielgruppe kommuniziert wird. Es ist zwingend nötig, Gamer*innen auf Augenhöhe und authentisch zu begegnen. Wie die Gaming-Szene und Kultur tickt, findest du in diesem Blog Artikel.

MYI Insight
Authentisch sein ist darum so wichtig, weil die Zielgruppe sehr heterogen, sehr digital und dadurch schwer zu erfassen ist. Es gibt also sehr viele Fettnäpfchen, in die man reintreten kann. Dies führt dann nicht zu einem neutralen Marketing-Effekt, sondern einem negativen, weil es schnell zu einem Shitstorm kommen kann. Es ist umso wichtiger, sich Unterstützung zu holen, um mit der Zielgruppe auf Augenhöhe zu kommunizieren und sich bei einer Agentur mit spezifischen Kompetenzen beraten zu lassen. MYI hat langjährige Erfahrung in diesen Bereichen und ist selbst aktiver Teil der Gaming-Szene.
Gaming-Zielgruppe Fazit
Die Zielgruppe der Gamer*innen ist komplex und facettenreich. Ein tiefes Verständnis der Demographie und Psychographie, der dynamischen Community-Strukturen, des ausgeprägten Konsumverhaltens sowie der Rolle von Social Media bietet die Basis für erfolgreiche Marketingstrategien. Marken, die diese Aspekte berücksichtigen und authentisch mit der Zielgruppe kommunizieren, können langfristig eine starke Bindung zu dieser aufbauen. Indem sie sich in die Welt der Gamer*innen einfühlen und deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen, schaffen sie nicht nur mehr Reichweite, sondern auch nachhaltige Markenerlebnisse in einer der dynamischsten Branchen unserer Zeit.


